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Blasmusik und Deftiges aus Ostpreußen

Bild: Uwe Caspar  
Musizieren vor großer Kulisse: Die jungen Bläser der Edith-Stein-Schule warten auf das Startkommando ihres Dirigenten Thorsten Wieking. „Wir sind die einzige Grundschule in Gütersloh, die über einen Bläserchor verfügt“, berichtet Wieking stolz.

Am Stand der Landsmannschaft Ostpreußen herrscht Hochbetrieb. „Unser Essen müssen Sie unbedingt probieren – und danach spendiere ich einen hochprozentigen Bärenfang“, verspricht Vorsitzender Eckhard Jagalla dem Pressevertreter. Schmalzbrote, Grütze und mit Honig angereicherter Schnaps: alles ostpreußische Spezialitäten, die auf dem Spexarder Weihnachtsmarkt viele Abnehmer finden. Während andere Landsmannschaften sich mangels Nachwuchs langsam auflösen, legen die Gütersloher sogar zu. „Derzeit haben wir 170 Mitglieder, von denen rund 80 Prozent Spätaussiedler sind“, berichtet Jagalla, der seit 25 Jahren den Verein führt. Fast alle Mitglieder stammen aus der Region Allenstein. Kurios: Manche Heimatbesuche in die Masuren per Bus übernimmt die Landsmannschaft Oberschlesien. „Mit den Schlesiern nach Ostpreußen, das klingt schon lustig“, sagt der 58-jährige Jagalla und lächelt. Trotz des ungemütlichen Wetters mit reichlich Regen lockt auch die 19. Auflage an den drei Tagen zahlreiche Besucher auf den Platz vor dem Bauernhaus. Am Samstag hat die Edith-Stein-Schule ihren großen Auftritt – die Bühnen-Performance der jungen Bläser findet vor beachtlicher Kulisse statt. „Wir sind die einzige Grundschule in Gütersloh, die ein Blasorchester stellt. Die Zeiten der Blockflöte sind vorbei“, erzählt Thorsten Wieking schmunzelnd. Lampenfieber hätten seine musizierenden Schützlinge kaum noch. Der Leiter: „Schließlich haben sie schon etliche Auftritte absolviert, das verschafft ihnen Routine.“

  Bild: chj
Verkaufte Überraschungspakete für den guten Zweck: Der Tausendsassa Dirk Fortenbacher.

Die hat auch Wilfried Becker bei der Ausübung seines drehenden Hobbys. Bereits seit Jahren baut der Isselhorster eines seiner fünf Kinderkarussells auf dem Spexarder Weihnachtsmarkt auf. Diesmal ist er mit einem neuen alten Karussell dabei, das er in Brandenburg entdeckt hat. Ein Liebhaberstück aus dem Jahr 1936. „Im Baubuch ist noch der Stempel mit dem Hakenkreuz zu sehen“, musste Becker beim Erwerb der Rarität das Nazi-Symbol mit in Kauf nehmen. Einige Figuren sind noch original, angetrieben wird der Oldie nicht mehr wie früher mit Salzwasser: Ein Elektromotor bringt ihn in Schwung. Auch im digitalen Zeitalter kann sich der Betreiber über fehlende Kundschaft nicht beklagen. Becker: „Kinder lieben das Karussellfahren – nicht zuletzt deshalb, weil es dabei so schön blinkt.“ Es passiert schon mal, dass ein junger Kunde während der Fahrt im nostalgischen Drehmobil ein Smartphone aus seiner Tasche zieht. Auch ist schon vorgekommen, dass Wilfried Becker ein Kind wecken musste – es war beim Rundendrehen eingenickt. Der Karussell-Inhaber kommt immer gern nach Spexard: „Weil die Leute hier extrem nett sind!“ Damit meint er auch den Veranstalter, den Jugendförderverein. Fünf der 17 Hütten wurden in Eigenregie hergestellt. „In den nächsten Jahren sollen noch mehr eigene Hütten dazukommen. Das ist günstiger als mieten“, erklärt der für den Bühnenablauf zuständige Christian Jansen. Der alljährliche Erlös kommt Spexarder Kirchen, Schulen und Jugendabteilungen zugute. In 18 Jahren ist ein beachtliches Sümmchen zusammengekommen: mehr als 70.000 Euro. Und der eingangs angebotene Ostpreußen-Schnaps? Probiert – der schmeckt wirklich lecker! (Westfalenblatt vom 10.12.2019)


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